Für Erwachsene

Erwachsene Kinder von Suchtkranken

Erwachsene Kinder von chronisch und schwer erkrankten Eltern tragen eine große Belastung. Eine Belastung, die in der Kindheit beginnt und sie, oftmals ohne dass Betroffene selbst um die Auswirkungen dieser Belastung wissen, bis ins hohe Alter begleitet. Diese erwachsenen Kinder müssen, schauen wir auf Forschung und Therapie, leider als die „Vergessensten der Vergessenen“ bezeichnet werden. Betroffen sind insbesondere erwachsene Kinder von:

  • alkoholerkrankten Eltern
  • suchterkrankten Eltern
  • psychisch erkrankten Eltern
  • gewalttätigen Eltern
  • (kriegs)-traumatisierten Eltern
  • Eltern mit problematischen Bindungsmustern
  • suizidalen Eltern
  • Ihre Angehörigen und PartnerInnen

Betroffene Erwachsene benötigen gezielt auf diese Belastung zugeschnittene Hilfen, spezialisierte Angehörigenarbeit: mit dem AWOKADO-Konzept ist Hilfe zur Selbsthilfe sowie spezifisch zugeschnittene therapeutische Unterstützung für Angehörige, Erwachsene und Kinder von erkrankten Eltern, möglich. Um betroffenen Schülern vor Ort zu helfen, wurde das BEL-Kids- Projekt entwickelt und umgesetzt.

Kreativ zum Wesentlichen

„Vorbei ist vorbei!“ Wenn Menschen mit chronisch erkrankten Eltern aufgewachsen sind, ist dieser Ausspruch meist nicht zutreffend. Im Gegenteil trifft diese Aussage oftmals einen sehr empfindlichen Nerv, fühlen sich doch Kinder von belasteten Eltern so wenig ernst genommen. Denn: Wenn Kindheiten durch elterliche Erkrankungen belastet waren, so kann das Folgen für das weitere Leben haben, auch im höheren Erwachsenenalter. Betroffene fühlen sich, scheinbar grundlos, ängstlich, überfordert und hilflos, und das sogar dann, wenn sie Ungeheures leisten.

Sie leiden nicht allein: ihre Angehörigen sind mit betroffenen. Kinder der erwachsenen Kinder, Großeltern, Geschwister usw. Menschen mit Kindheitsbelastungen und ihre Partner stecken oftmals in Krisen fest, die von großer Sprach-und Hilflosigkeit gezeichnet sind. Neben Angst und Gefühllosigkeit, Scham und Schuld, leidet dann mit der Zeit die Beziehung, das „Beziehungsklima“ und auf allen Seiten das Selbstwertgefühl. Die Lebensqualität verschlechtert sich, Betroffene bleiben unter ihren eigenen Möglichkeiten zurück- sie sind unzufrieden, fühlen sich diffus unzulänglich. Und wieder droht nun ihre eigene Familie belastet zu werden, so wie es die Betroffenen aus ihrer Herkunftsfamilie kennen- und gerade das wollten sie in ihrem Leben unbedingt vermeiden. Ein Teufelskreis, der sich ungünstigen Fall von Generation zu Generation fortsetzt.

In meinem Blog Jetzt.Besser.Leben-Kindheitsspuren überwinden schreibe ich seit 2015 rund um die Themen Sucht-und Kindheitsbelastung und freue mich, auf diesem Wege regelmäßig viele Betroffene zu erreichen – denn ich weiß, wie allein viele Menschen mit ihren Problemen um die kranken Eltern stehen. Meine Erfahrungen in Theorie und Praxis haben mir gezeigt, dass es grundlegend möglich ist: Jetzt.Besser.Leben.

Empfohlene Bücher nach Erscheinungsdatum:

Rennert, M. (1990): Co-Abhängigkeit. Was Sucht für die Familie bedeutet. Freiburg

Woititz, J. G. (1990): Um die Kindheit betrogen. Hoffnung und Heilung für erwachsene Kinder von Suchtkranken. München

Lambrou, U. (2004): Familienkrankheit Alkoholismus. Im Sog der Abhängigkeit. Reinbek bei Hamburg

Lenz, A. (2005): Kinder psychisch kranker Eltern. Göttingen Christin A.L. (2006): Borderlinemütter und ihre Kinder.Wege zur Bewältigung einer schwierigen Beziehung.

Barnowski-Geiser, W. (2009): Hören, was niemand sieht. Neukirchen-Vluyn

Flassbeck,J. (2011): Co-Abhängigkeit. StuttgartSielaff,G. (2011): Wie auf verschiedenen Planeten. Eltern-Kinder-Psychische Erkrankungen. Neumünster

Brisch.K-H. (2012): Bindung und Sucht. Stuttgart.

Flassbeck, J.  (2013): Ich will mein Leben zurück. Stuttgart

Bapk/Familienselbsthilfe (Hg.) (2014): Mit psychischer Krankheit in der Familie leben

Barnowski-Geiser, W. ( 2015): Vater, Mutter, Sucht. Wie erwachsene Kinder suchtkranker Eltern trotzdem ihr Glück finden. Stuttgart

Bode, S. (2015): Die vergessene Generation. StuttgartReddemann, L. (2015): Kriegskinder und Kriegsenkel in der Psychotherapie…Folgen der NS-Zeit und des zweiten Weltkriegs erkennen und bearbeiten.Eine Annäherung.

Teismann,T.;/Dorrmann (2015): Suizidgefahr? Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige

Ochs, Ille (2016). Im Käfig der Angst. Missbrauch in der heilen Welt.

Finnja Stauff (2018). Durch Bewusstsein zur Selbstliebe.

Flassbeck,Jens&Judith Barth (2020).Die langen Schatten der Sucht.